[infobrief] Oury Jalloh :: BREAK THE SILENCE

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Mit Mar 15 12:15:39 CET 2006


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newsletter des arbeitskreis asyl göttingen. infos zum abo:
http://idash.org/mailman/listinfo/newsletter.akasylgoe
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IN GEDENKEN AN O U R Y J A L L O H
Umgekommen am  07. 01. 2005 IN DESSAU


**Infotreffen in Gö***Demo in Dessau am 1.4.***Film-Veranstaltung im
Lumiere am 21.4.2006***

http://www.abschiebemaschinerie-stoppen.de/aktuell/


Vor einem Jahr starb Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau. Fixiert
an Händen und Füßen soll er sich - so die Darstellung der verantwortlichen
Beamten - selbst angezündet haben. Ermittlungen werden seitdem verschleppt
und die Dessauer Initiative in Gedenken an Oury Jalloh wird unter Druck
gesetzt und kriminalisiert.

"The Voice Refugee Forum" und "Plataforma Berlin - Plattform der
MigrantInnen und Flüchtlinge" rufen deshalb auf zu einer bundesweiten
Demonstration am 1. April in Dessau!

Das Antirassismusplenum und The Voice Göttingen unterstützen den Aufruf.
Zur Vorbereitung der Demo und der Fahrt von Göttingen gibt es ein Treffen
für alle Interessierten am:

Freitag, 24.3. um 19 Uhr im Juzi, Bürgerstr.41

Zur Demo am 1. April gibt es einen gemeinsamen Abfahrtspunkt mit dem Zug:
Treffen am Sa. 1.4. um 10 vor 9 am Bahnhof, der Zug geht um 9.07 h

Ein Aufruf zur Demo findet sich weiter unten. Ein update zur Mobilisierung
mit den Zug- und Bus-Abfahrtsdaten und Info-Veranstaltungen aus anderen
Städten findet sich bei:

http://www.abschiebemaschinerie-stoppen.de/aktuell/

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***Filmveranstaltung im Lumiere***


Am 21. April um 18.00 Uhr, Geimarlandstr. 19

Gezeigt wird der Film: "Tod in der Zelle"

Eine Dokumentation über die Ereignisse in Dessau - die Umstände unter
denen Oury Jalloh und die Verbissenheit mit der Polizei und
Staatsanwaltschaft untätig bleiben bei der Aufklärung,
aber gleichzeitig mit immer neuen Maßnahmen alle Aufklärungsversuche durch
die Freunde Oury Jallohs zu verhindern versuchen:
Dieses Vorgehen legt nahe: Oury Jalloh - das war Mord!

Zum Tod Oury jallohs wird ein Mitglied der Dessauer "Initiative in
Gedenken an Oury Jalloh" berichten.

Veranstaltet von: Residenzpflichtgruppe und The Voice Refugee Forum
Göttingen.


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********Aufruf Dessau*******



BREAK THE SILENCE - BUNDESWEITE DEMO AM 1. APRIL 2006 IN DESSAU

BEGINN UM 14 UHR HBF


Kann sich ein Mensch selbst verbrennen, wenn er an Händen und Füßen fixiert
worden ist?

Wie ist es möglich, dass ein Mensch ausgerechnet in einer Gefängniszelle im
sogenannten "Sicherheitsgewahrsam" verbrennt und die Todesumstände über ein
Jahr lang ungeklärt bleiben?

Wieso stellten die diensthabenden Polizisten die akustische Verbindung
leise?

Warum hatte Jalloh ein Feuerzeug, wenn - so die Polizeibeamten - vor dem
Arrest die rechtlich vorgeschriebene Durchsuchung durchgeführt worden waren?
Warum tauchte das Feuerzeug in der Asservatenliste erst später auf?

Ist es überhaupt möglich, die Todesschreie eines Menschen, der Minuten lang
in den Flammen verbrennt NICHT zu hören und den Rauch NICHT zu bemerken?
Ausgerechnet in einem Polizeirevier, wo absolute Kontrolle die Norm stellt?

Oury Jalloh, ein 21-Jähriger Flüchtling aus Sierra Leone, starb am 7.
Januar 2005 in Polizeigewahrsam, mit Handschellen an Händen und Füßen auf
das Zellenbett gefesselt. Todesursache: Hitzeschock. Die offizielle
Version: Das Opfer habe die Matratze mit einem Feuerzeug angezündet, Feuer
gefangen und sei verbrannt. Also Selbstmord? Diese Version warf vor einem
Jahr schon schwerwiegende Zweifel auf, die bis jetzt nicht entkräftet
worden sind,sondern sich erhärtet und ausgeweitet haben.

Das Feuer brach, den Ermittlungen zufolge, gegen Mittag in der Zelle aus.
Der Rauchmelder in der Zelle schlug zweimal Alarm. Geräusche und Hilferufe,
von einer Gegensprechanlage übertragen, wurden von den diensthabenden
Beamten registriert, aber ignoriert.

Angeblich hatte der Dienstgruppenleiter die Anlage kurz vor zwölf Uhr leise
gestellt, weil er ein Telefongespräch nicht verstehen konnte. Erst als auch
der Lüftungsschalter Alarm schlug, ging er in den Keller. Zu spät. Oury
Jalloh lag auf einer brennenden Matratze, sein Körper quasi verkohlt.
Reste
eines Feuerzeugs wurden erst bei späteren "Ermittlungen" in der Zelle
gefunden.

WÄHREND ES EINSEITIG IN RICHTUNG SELBSTMORD ERMITTELT WIRD, BLEIBEN DIE
VERDACHTE UNGEKLÄRT UND DIE VERDÄCHTIGEN UNBERÜHRT.

13 Monaten nach dem Tod Oury Jallohs gibt es immer noch keine Klarheit über
die Umstände und die Verantwortungen. Trotz massiver, mittlerweile der
Öffentlichkeit bekannter Unregelmässigkeiten und Widersprüche wird kein
Gerichtsprozess angestrengt. Die verantwortlichen Polizeibeamten und der
Arzt, der den Todesschein ausstellte, sind immer noch im Dienst. Die
Dessauer Staatsanwaltschaft hat zwar Anklage wegen Körperverletzung mit
Todesfolge und wegen fahrlässiger Tötung gegen zwei Polizisten erhoben. Mit
immer neue Einwände wird aber versucht, die Verfahren einzustellen - bis
ins Absurdum. Jetzt heisst es, die Anklage der Rechtsanwälte der Familie
Jalloh sei nicht gültig, denn es beständen nicht genügend Beweise, dass es
sich tatsächlich um die Familie Jalloh handele. Die Zeit vergeht.
Bestimmte Verbrechen vergisst man.

Die Geschehnisse in Dessau sind nur der Gipfel des Eisbergs. Die Realität
von Flüchtlingen und MigrantInnen in ganz Europa wird von Tag zu Tag
dramatischer. Zunehmende Verfolgung und Kriminalisierung kennzeichnen den
Alltag von nicht-Europäern in Form von immer mehr Gewalt, Kontrollen,
Abschiebungen. Damit werden Hass und Ausgrenzung noch tiefer in der
Gesellschaft verankert. Allein zwischen 1990 und 2004 starben in
Deutschland elf MigrantInnen im Zuge polizeilicher Maßnahmen, zwölf wurden
durch rassistische Angriffe auf der Straße umgebracht.

Es ist wohl üblich, über den Rassismus zu sprechen, der von Nazis auf die
Straße getragen wird. Über den Rassismus innerhalb der Institutionen wird
hingegen wie gewöhnlich geschwiegen.

Aus dem Protokoll der Gespräche zwischen dem diensthabenden Polizeibeamten
und dem zuständigen Arzt im Fall Jalloh:
Polizist: "Pikste mal 'nen Schwarzafrikaner?"
Arzt: "Ach du Scheiße. Da finde ich immer keine Vene bei den
Dunkelhäutigen."
Lachen.
Polizist: "Na, bring doch 'ne Spezialkanüle mit!"

Ein zweites Protokoll hält den Dialog zweier Polizeibeamter unmittelbar nach
dem Tod fest.
"Hat er sich aufgehangen, oder was?"
"Nee, da brennt's."
"Wieso?"
"Weiß ich nicht. Die sind da runtergekommen, da war alles schwarzer Qualm."
"Ja, ich hätte fast gesagt gut. Alles klar, schönes Wochenende, ciao, ciao."

Nun wird auch Mouctar Bah, der Mensch, der im Mordfall Oury Jalloh am
Entschiedensten für Wahrheit und Gerechtigkeit gekämpft hat, kriminalisiert
und verfolgt. Am 7. Februar schlossen die Behörden sein Telecafe - im
"öffentlichen Interesse", so hieß es, da er angeblich Drogendealer in seinem
Laden tolerierte. Das Cafe war Bahs finanzielle
Grundlage und ein zentraler Treffpunkt für die Initiative in Gedenken an
Oury Jalloh.

Obwohl die Presse an verschiedenen Stellen Aufmerksamkeit auf die
rassistische Hintergründe des Todes erregt hat (z. B. Spiegel, ARD) und
einige Initiativen eine Rückhaltlose Aufklärung der Widersprüche forderten,
bleibt die Neigung zum Verschweigen und Vergessen in dieser Gesellschaft bis
heute stärker.

Es bedarf JETZT einen entschiedenen öffentlichen Druck, damit der Prozess
tatsächlich eröffnet wird.

SCHLUSS MIT DER STRAFLOSIGKEIT DER VERANTWORTLICHEN UND DER KRIMINALISIERUNG
VON UNSCHULDIGEN!
WIR LASSEN UNS NICHT EINSCHÜCHTERN!

WIR FORDERN:

AUFKLÄRUNG, GERECHTIGKEIT, ENTSCHÄDIGUNG

GEGEN RASSISMUS UND STAATLICHE GEWALT

Nicht über alles wächst Gras...
STOPPT DEN POLIZEITERROR GEGEN FLÜCHTLINGE UND MIGRANTINNEN!

BREAK THE SILENCE!






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